Psychotherapie
Selma Tackenberg
Hannes Reber
Meine Grundausbildung habe ich in tiefenpsychologischer/psychodynamisch orientierter Therapie am Freud-Institut in Zürich gemacht, habe aber auch Kenntnisse in den anderen Verfahren.
In einer tiefenpsychologischen/psychodynamisch orientierten Psychotherapie geht man davon aus, dass unbewusste Persönlichkeitsanteile existieren, die psychodynamisch wirksam sind und eine Grundlage menschlichen Verhaltens und Erlebens darstellen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Interaktion zwischen Patient und Therapeut liegt.
Dabei spielen das Setting, das Unbewusste, das Instanzenmodell der Persönlichkeit mit Ich, Es und Über-Ich, die Bearbeitung unbewusster Widerstände, verschiedene Abwehrmechanismen (z.B. Verleugnung, Konversion, Reaktionsbildung) und das Prinzip der Analyse von Übertragung und Gegenübertragung eine grosse Rolle.
Mit dem Begriff der psychischen Struktur wird die Funktionsfähigkeit der Psyche (des Ich) anhand verschiedener Teilaspekte erfasst und beschrieben. Das Strukturniveau gibt eine valide Information über die intrapsychische, interpsychische und soziale Funktionsfähigkeit eines Menschen. Das psychische Strukturniveau ist als Funktionsmodus zu verstehen, der nicht statisch im Sinne eines Persönlichkeitsmerkmals vorhanden ist. Vielmehr variiert das Strukturniveau bei jedem Individuum erheblich, abhängig von Belastungen, Konflikten, Traumatisierungen (und deren Zeitpunkt im Rahmen der Entwicklung), aber auch von Therapien und sozialen Rahmenbedingungen.
Man geht davon aus, dass aktuelle Schwierigkeiten fast immer in Verbindung mit Erfahrungen aus der Kindheit stehen, dass seelisch bedingte Störungen ihren tieferen Grund in lebensgeschichtlichen Zusammenhängen haben, beginnend u.U. schon in der Zeit im Mutterleib. Unerträgliche innere (seelische oder körperliche) Spannungszustände wurden ins Unbewusste verdrängt. Mit diesem seelischen Schutzvorgang der Verdrängung sind solche Erfahrungen allerdings nicht "verschwunden". Durch unbewusste Wiederholungen in bestimmten Lebenssituationen werden alte Konflikte reaktiviert, die sich im sozialen Kontext behindernd bemerkbar machen. Psychische Schwierigkeiten können so als das Ergebnis von Kommunikationsstörungen zwischen Menschen verstanden werden. In der Behandlung versuchen KlientIn und TherapeutIn diese Kommunikationsstörungen zu eruieren, ihnen einen Sinn zu geben und sie damit verständlich zu machen. So kann eine korrigierende Erfahrung möglich werden.
Symptome sind also nach psychoanalytischer Auffassung unbewusste Überlebens- und Not-Lösungen der Persönlichkeit, die ihren berechtigten Sinn haben und deren Bedeutung zu verstehen ist.
Klassische Funktionen des gesunden Ich wie Affektkontrolle, reife Abwehr, differenzierte Selbst- und Objektwahrnehmung können durch biographischen Dauerstress (z.B. Missbrauch) oder andere Traumatisierungen beeinträchtigt sein und so zu psychischen Erkrankungen führen.
Verschiedene Therapietechniken zielen darauf ab, die Selbstwahrnehmung, die Objektwahrnehmung und die Affektkontrolle zu verbessern.
Die Psychotherapie ist zunächst – wie jede andere therapeutische Massnahme bei Erkrankungen aller Art – sozusagen ein Versuch, der wissenschaftlich gut begründet ist. Doch auch bei der Psychotherapie ist ein Erfolg nicht garantiert. Trotzdem ist dies nach heutigen Wissen der richtige Weg zur seelischen Stabilisierung und symptomatischen Veränderung.
Eine Therapie ist eine intensive, anstrengende und oft tiefgehende Beziehungs- und Seelen-Arbeit zwischen PatientIn und TherapeutIn. Es geht dabei u.a. um das Aufdecken und Durcharbeiten zunächst verborgener, oft auch schwer aushaltbarer Gefühlszustände mit Unterstützung durch mich als Therapeut.
Der verbindliche und verlässliche Rahmen und klare Absprachen zwischen PatientIn und PsychotherapeutIn sind wesentlicher Bestandteil der Behandlung. Dafür tragen PatientIn und PsychotherapeutIn gleichermassen die Verantwortung.
Der ärztlichen Schweigepflicht kommt im Rahmen einer Psychotherapie eine besondere Bedeutung zu und diese gilt es, besonders zu schützen, d.h. z.B., keine Informationen an Leistungserbringer (Krankenkasse, IV etc.) oder Angehörige zu geben, die nicht vorbesprochen sind.
Krisenintervention
In einer Krise (vom Griechischen krisis für Entscheidung/Zuspitzung) braucht es manchmal Unterstützung von aussen. Hier kann im Rahmen einer Krisenintervention u.a. das bekannte Schema ambulanter Krisenintervention bella zur Anwendung kommen.
- Beziehung aufbauen
- Erfassen der Situation (Krisenanlass, Lebenssituation)
- Linderung der Symptome (Beruhigung, emotionale Abreaktion)
- Leute einbeziehen (soziales Netz)
- Ausblick in die Zukunft und Ausweg aus der Krise suchen
Hiermit (ggf. einschliesslich einer Notfallmedikation zur Entlastung) lassen sich Krisen meist gut überwinden.
Posttraumatische Belastungsstörung
Wenn man selbst oder als Zeuge mit Tod oder Lebensbedrohung, ernsthafter Verletzung oder sexueller Gewalt konfrontiert ist, kann dieses traumatisches Ereignis seelisch und körperlich verletzen. Die körperlichen Verletzungen sind sichtbar und werden ärztlich versorgt. Die seelischen Wunden hingegen sind nicht sichtbar und werden deshalb häufig weniger beachtet. Die seelischen Verletzungen können allerdings zu starkem Leiden und dem Gefühl führen, die Welt habe sich verändert – nichts ist mehr, wie es vorher war. Diese Gefühle können über längere Zeit andauern, im Alltag behindern und nur schwer zu ertragen sein.
Diese Symptome können gut behandelt werden. Zögern Sie deshalb nicht, sich an eine Fachperson zu wenden und sich Hilfe und Unterstützung zu holen, wenn Sie Mühe haben, das traumatische Erlebnis seelisch zu bewältigen.
Mögliche psychische Folgen/Symptome einer Traumatisierung können sein:
• Angst
• Scham
• Albträume
• ständiges Hochkommen von Erinnerungen an das Ereignis
• Depression
• sozialer Rückzug
• Gereiztheit
• immer auf der Hut sein müssen
• Schreckhaftigkeit
• Schlafstörungen
• vermehrter Gebrauch von Suchtmitteln
• Dissoziation (man fühlt sich selbst fremd, betäubt, erinnert sich an das Geschehen oder Teile davon nicht mehr, hat im Alltag «Aussetzer»)
Manchmal entwickeln sich die Symptome nicht sofort nach dem Ereignis, sondern erst einige Tage, manchmal Wochen, selten Monate oder Jahre später. Eine Behandlung ist auch dann noch sinnvoll und hat gute Aussichten auf Erfolg.
Je nach Symptomen ist eine gezielte Psychotherapie sinnvoll, auch Medikamente können helfen z.B. zur Beruhigung oder zum Schlafen. Manchmal hilft auch, einfach abzuwarten und den weiteren Verlauf der Symptome zu beobachten. Im Rahmen eines Abklärungsgesprächs besprechen ich mit Ihnen, welche Behandlung für Sie die beste ist.
Bei einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung, die sich z.B. nach langandauernden Traumatisierungen (wie Krieg, Kindes-Missbrauch) entwickeln kann, kommen zusätzlich noch interaktionelle Störungen (Schwierigkeiten in Beziehungen), Störungen der Affektregulation und Impulskontrolle sowie des Selbstbildes (z.B. die Überzeugung, minderwertig, unterlegen oder wertlos zu sein) hinzu.
Traumatherapie
Nach Traumatisierungen kann man bei vorhandener Indikation innerhalb einer Psychotherapie ein traumaspezifisches Therapieverfahren anwenden. Hierzu zählen u.a. narrative Expositionstherapie (NET), EMDR, prolonged exposure oder cognitive processing therapy.
Ich arbeite v.a. mit der NET. Hierbei erlebt man in den Therapiesitzungen das widerfahrene Trauma zusammen nach und ordnet die dazugehörigen Gefühle, Körperempfindungen, Gedanken etc. zu, um so das Trauma in die Lebensgeschichte zu integrieren und traumaspezifische Symptome dadurch zu reduzieren.
Depression
Neben depressiven Hauptsymptomen mit gedrückter Stimmung, Antriebs- und Energielosigkeit sowie Freude- und Interessenverlust können weitere Symptome bestehen wie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Ängste, Nervosität und Anspannung, Appetitverlust, Schlafstörungen, Libidoverlust, Schmerzen, Atem-, Herz-Kreislauf- oder Magen-Darmbeschwerden. Auch Symptome wie Substanzkonsum (Alkohol etc.) oder Aggressivität können Ausdruck einer depressiven Entwicklung sein.
Sexualmedizin
Sexualmedizin ist ein Fach der klinischen Medizin, das sich mit der Sexualität des Menschen und ihren Störungen befasst. Dabei kann es sich z.B. um
- Erektionsprobleme bei Männern
- Erregungs- und Orgasmusprobleme bei Frauen
- Vorzeitigen Orgasmus, gehemmten oder ausbleibenden Orgasmus bei Männern
- Sexuelle Versagensängste
- Störungen der Appetenz
- Dyspareunie
- Vaginismus
handeln.
Oft beeinflussen sich psychische und körperliche Symptome gegenseitig. So kann eine Depression zu Libidoverlust führen. Auch ein chronisches Unterbauchschmerzsyndrom, Vulvodynie, Pruritus genitalis, Fluor vaginalis und Miktionsstörungen können durch psychogene Faktoren (mit-) verursacht sein.
Ungelöste Konflikte oder Machtkämpfe in Paarbeziehungen können ebenfalls in sexuellen Symptomen zum Ausdruck kommen.
Ausserdem können sexuelle Traumatisierungen grosse Auswirkungen auf die Sexualität haben und Traumatisierte können in ihrem Vertrauen auf positive und glückbringende Erlebnisse in sexuellen Beziehungen so stark erschüttert sein, dass ihnen der Aufbau und/oder die Aufrechterhaltung einer solchen Beziehung nicht möglich ist.
Angststörung
Die gesunde Angst ist ein Gefahr signalisierendes Gefühl und dient dem Überleben. Die krankhafte Angst unterscheidet sich dadurch, dass sie zu häufig oder zu stark auftritt. Dadurch entsteht bei den Betroffenen ein Leidensdruck.
Die Angst tritt auf unterschiedlichen Ebenen auf:
- Kognitive Ebene: Alarmierende Gedanken, z.B. die Kontrolle zu verlieren, wegen Angstattacken durch einen Herzinfarkt zu sterben, verrückt zu werden, Angst in Ohnmacht zu fallen…
- Emotionale Ebene: Angst, Ohnmachtsgefühl, Gefühl des Ausgeliefertseins…
- Körperliche Ebene: Herzklopfen, Schwindel, Benommenheit, Atemnot, Zittern, Kaltschweissigkeit, Hitzeschauer…
- Verhaltensebene: Flucht, Kampf oder Erstarren, Vermeiden von angstauslösenden Situationen...
Angststörungen lassen sich in folgende Hauptgruppen aufteilen:
- Situationsgerichtete Angststörungen (Phobien): Angststörung in bestimmten Situationen, z.B. Agoraphobie (Platzangst), soziale Phobie, spezifische Phobie – z.B. Tierphobie, Höhenphobie, …
- Situationsunabhängige Angststörungen: Panikstörung, generalisierte Angststörung
Angststörungen sind häufig und treten oft schon in frühen Lebensjahren auf. Nicht selten begeben sich die Patienten erst nach einem langen Leidensweg in Behandlung. Ohne Behandlung nehmen Angststörungen meist einen chronischen Verlauf und können die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen. Durch eine Behandlung können die Symptome oft erheblich reduziert oder ganz zum Verschwinden gebracht werden.
Borderlinestörung
- Unangemessene starke Wut
- Schwierigkeiten, Wut oder Ärger zu kontrollieren
- eine affektive Instabilität (Stimmungsschwankungen)
- ein chronisches Gefühl der Leere
- Impulsivität
- Suizidgedanken oder selbstschädigendes Verhalten
- dissoziative Symptome
- eine Instabilität/Unsicherheit bzgl. der Identität/des Selbstbildes
- verzweifeltes Bemühen, Alleinsein zu verhindern
- ein Muster von instabilen und intensiven zwischenmenschlichen Beziehungen
sind Symptome einer Borderline-Persönlichkeitsstörung.
Eine Borderline-Störung entwickelt sich auf dem Boden psychosozialer Belastungsfaktoren wie emotionaler, sexueller und körperlicher Gewalterfahrungen sowie Vernachlässigung. Auch eine genetische Disposition hat einen Einfluss auf die Entwicklung einer Borderline-Störung.
Schwierigkeiten vor und nach der Geburt bei Frauen und Männern
Sie werden in Kürze oder wurden bereits Eltern? Obwohl die meisten Menschen davon ausgehen, dass Schwangerschaft und Geburt sowie die Zeit danach etwas Schönes sind, können während und nach der Schwangerschaft verschiedene als negativ erlebte psychische Folgen für die Frau, aber auch für den Mann entstehen.
Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach bewirken grosse Veränderungen, sowohl in der Partnerschaft als auch individuell bei Frau und Mann. Einerseits kann es bereits in der Schwangerschaft zu Stimmungsschwankungen und einer veränderten Sexualität bei den werdenden Eltern kommen. Andererseits können Geburt und die Zeit danach ähnliche Veränderungen/Symptome bis hin zu einer Depression bewirken. Ausserdem kann eine Geburt sowohl bei der Frau als auch beim Mann (!) zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung führen.
Eine Verschlechterung der Sexualität kann zu psychischer Belastung führen, die sich sexuell dämpfend auswirken kann und die verschlechterte Sexualität kann sich wiederum als Stressor auswirken, v.a., wenn die Partnerin oder der Partner kein Verständnis dafür zeigt und Sexualität einfordert – ein Teufelskreis.
Sowohl die Frau als auch der Mann können nach der Geburt fehlende Zuwendung, Anerkennung und Unterstützung des Partners empfinden. Zeit zu zweit und für Sexualität wird knapp. Auch kann sich das Paar oder eine alleinerziehende Mutter alleine fühlen nach der Entlassung aus dem Spital und finanzielle Sorgen können sich entwickeln.
Negative Gefühle können über längere Zeit andauern, im Alltag behindern und nur schwer zu ertragen sein.
Vieles sind ganz normale Vorgänge, die z.B. durch einen erhöhten Prolaktin- und erniedrigten Östrogenspiegel der Frau entstehen.
Oft sind bereits Informationen für die (werdenden) Eltern ausreichend, um Veränderungen besser verstehen und einordnen zu können; viele Symptome können auch gut behandelt werden. Zögern Sie deshalb nicht, sich an eine Fachperson zu wenden und sich Hilfe und Unterstützung zu holen.
Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach können möglicherweise folgende psychische Symptome auslösen:
• Ängste, z.B. vor einer nächsten Geburt
• Albträume
• ständiges Hochkommen von Erinnerungen an das Ereignis
• Verschlechterung der Sexualität
• Lustlosigkeit
• Schmerzen beim Verkehr
• mangelnde sexuelle Befriedigung
• Depression
• sexuelle Funktionsstörungen
• sozialer Rückzug
• Gereiztheit
• Schlafstörungen
• vermehrter Gebrauch von Suchtmitteln
Manchmal entwickeln sich die Symptome nicht sofort, sondern erst einige Tage, manchmal Wochen, selten Monate oder Jahre später. Eine Behandlung ist auch dann noch sinnvoll und hat gute Aussichten auf Erfolg.
Je nach Symptomen kann eine Beratung ausreichend sein, manchmal ist eine gezielte Psychotherapie sinnvoll, auch Medikamente können helfen z.B. zur Beruhigung oder zum Schlafen. Manchmal hilft auch, einfach abzuwarten und den weiteren Verlauf der Symptome zu beobachten. Im Rahmen eines Abklärungsgesprächs bespreche ich mit Ihnen, welche Behandlung für Sie die beste ist.
Adoleszentäre
Reifungskrise/
Transitionsphase
Adoleszenz leitet sich her vom lateinischen Begriff adulescentia (Jugend).
Diese Phase ist geprägt von körperlichen Veränderungen und dem damit verbundenen Rollenwechsel. Hierbei geht es um die Auseinandersetzung mit eigenen und überlieferten Normen, Gesetzen und Rollenzuweisungen. Die Identitätssuche steht im Mittelpunkt.
Nach dem entwicklungspsychologischen Modell von Erikson wird diese Entwicklungsphase durch die psychosoziale Krise "Identität vs. Identitätsdiffusion" (Phase V) geprägt.
Die Adoleszenz bezeichnet die Phase zwischen 11. und 21. Lebensjahr, wobei es heute zu einer Verlängerung der Adoleszenz kommt und verschiedene Entwicklungsschritte sich bis in die 30er Jahre hinziehen können.
Der Übergang von der Jugendzeit ins Erwachsenenleben ist einer der schwierigsten Übergänge im Leben und mit besonderen Anforderungen verbunden, die nicht immer leicht zu meistern sind. Manchmal können sich dann psychische Krisen entwickeln, weil z.B. die Ablösung vom Elternhaus nicht gut gelingt, es Konflikte mit der Peergroup (Gleichaltrige, Clique) gibt. Oder man fühlt sich von den Eltern, dem Umfeld generell oder auch durch sich selbst unter Druck gesetzt, eine bestimmte Ausbildung oder einen bestimmten Studiengang machen zu müssen, die Entscheidung fällt nicht leicht oder stellt sich als die falsche heraus.
In solchen Krisen kann bereits eine erste Beratung enorm für Entlastung sorgen. Bei schweren Symptomen (z.B. Suizidgedanken) kann eine Psychotherapie sinnvoll sein.